Medienmitteilung Swiss Football League (SFL)
SFL und Klubs führen Stadionallianzen und SBB-Partnerschaft ein, lehnen aber das Kaskadenmodell ab
Nach einer breit angelegten Vernehmlassung lehnen die Swiss Football League (SFL) und ihre Klubs das Kaskadenmodell der Konferenz der Kantonalen Justiz- und Polizeidirektorinnen- und -direktoren (KKJPD) ab. Sie erachten das Modell und seine Anwendung in der Praxis als nicht zielführend, einseitig und unverhältnismässig. In zwei weiteren Teilprojekten unter dem Arbeitstitel «Progresso» wurden gleichzeitig wichtige Dialogplattformen geschaffen, um Sicherheitsthemen gemeinsam mit allen Stakeholdern in einem konstruktiven Rahmen anzugehen. So hat die SFL bereits im letzten Herbst lokale Stadionallianzen eingeführt und mit den SBB wird eine Partnerschaft im Bereich der Fanreisen aufgebaut.
Die Swiss Football League (SFL) verurteilt Gewaltvorfälle wie Sachbeschädigungen, Körperverletzungen und Tätlichkeiten im Umfeld von Fussballspielen mit aller Deutlichkeit. Wie das «Gesamtschweizerische Lagebild Sport (GSLS-Reporting)» der Polizeilichen Koordinationsplattform Sport (PKPS) zeigt, ist die Zahl der gewalttätigen Ereignisse im Schweizer Fussball jedoch seit Jahren rückläufig. Zudem ist bei dieser Statistik zu beachten, dass das Abbrennen von pyrotechnischen Gegenständen zu den gewalttätigen Vorfällen gezählt wird und den grössten Teil der Ereignisse ausmacht.
Partnerschaftliche Lösung mit den SBB
Die SFL und die Konferenz der Kantonalen Justiz- und Polizeidirektorinnen- und -direktoren (KKJPD) verfolgen gemeinsam das Ziel, Fanausschreitungen ausserhalb der Stadien zu minimieren. Zu diesem Zweck wurde vor einigen Monaten das Projekt «Progresso» lanciert. In diesem Rahmen konnten sich die SFL und die SBB nun auf eine partnerschaftliche Lösung im Bereich Transport/Fanreisen einigen. Die SFL und die Klubs beteiligen sich direkt oder über Marketingleistungen an den Kosten der SBB. Zudem unterstützen die Klubs die SBB organisatorisch bei der Durchführung der Fanreisen per Zug zu den Auswärtsspielen.
Stadionallianzen stärken den lokalen Dialog
In einem zweiten Projekt stimmten die Klubs dem Antrag der SFL zu, lokale Stadionallianzen zu etablieren. Seit dem positiven Entscheid im letzten November wurden diese permanenten Dialogplattformen an allen Super-League-Standorten aufgebaut oder erweitert, um den intensiven Austausch mit allen involvierten Partnern in der Organisation der Fussballspiele noch stärker zu pflegen. Damit wird gewährleistet, dass alle Beteiligten im konstruktiven Dialog sinnvolle und zielführende Lösungen im Sicherheitsbereich entwickeln können.
Breite Vernehmlassung zum Kaskadenmodell
Die SFL hat auch die Erarbeitung des sogenannten Kaskadenmodells der KKJPD kritisch begleitet. Das Kaskadenmodell besteht aus verschiedenen Stufen, wobei bestimmte Vorfälle automatisch vordefinierte Massnahmen auslösen. Die ersten Stufen des Modells beinhalten Massnahmen des Dialogs, die weiteren Stufen umfassen repressive Massnahmen. Die SFL und die Klubs sind nach einer breiten Vernehmlassung einstimmig zum Schluss gekommen, das Kaskadenmodell abzulehnen. Besonders kritisiert wurde in der Vernehmlassung, dass mit dem Verweis auf das Modell einzelne Elemente, wie beispielsweise die Schliessung von Fankurven, bereits mehrfach angewendet wurden, obwohl das Modell als Gesamtes noch nicht verabschiedet, beziehungsweise eingeführt worden war.
Aus Sicht der SFL und der Klubs ist das Kaskadenmodell nicht zielführend, einseitig und unverhältnismässig: Es vermischt Prävention und Repression und fokussiert nicht auf die Verhinderung zukünftiger Gewalttaten, wie es das Konkordat über Massnahmen gegen Gewalt anlässlich von Sportveranstaltungen mit seinem präventiven Charakter vorsieht. Dieses sogenannte «Hooligan-Konkordat» wurde vor 15 Jahren von der KKJPD verabschiedet und ist in fast allen Kantonen die geltende gesetzliche Grundlage. Nach dem vorgeschlagenen Kaskadenmodell sollten nun aber auch Vorfälle bestraft werden, die nicht in direktem Zusammenhang mit dem Spiel oder dem Stadion stehen. Besonders stossend ist dabei die Anwendung von Kollektivstrafen. Diese treffen nicht in erster Linie den oder die Täter (die unter Umständen nicht einmal Matchbesucher sind), sondern viele Unbeteiligte.
Zudem ist bekannt, dass solche Kollektivstrafen zu einer Solidarisierung unter den Fans mit zusätzlichem Eskalationspotenzial führen können. Weiter ist die Kausalhaftung für die Klubs nicht akzeptabel. Denn das Kaskadenmodell suggeriert eine Handlungsmöglichkeit der Klubs in Konfliktsituationen ausserhalb der Stadien. Diese Handlungsmöglichkeit besteht aber nicht – und trotzdem würde die volle Verantwortung auf die Klubs übertragen. Ausserhalb des Stadions sind jedoch die Behörden für die Sicherheit verantwortlich und entscheiden auch über die Einsätze. Zudem werden die Bemühungen der Klubs, Konfliktsituationen zu vermeiden, im Kaskadenmodell in keiner Weise berücksichtigt. Und schliesslich bestehen auch in der Wissenschaft Zweifel an der Wirksamkeit von Kollektivstrafen und Kausalhaftung.
Bestehende Instrumente des Konkordats konsequent anwenden
Die SFL erachtet das «Hooligan-Konkordat» als ausreichende gesetzliche Grundlage, um die Sicherheit innerhalb und ausserhalb der Stadien zu gewährleisten. Um die heutige Situation zu verbessern, müssen die bestehenden Instrumente und Massnahmen noch konsequenter angewendet werden, insbesondere bei der Verfolgung von Einzeltätern. Gewalttäter müssen konsequent verfolgt und bestraft werden. Die Klubs unterstützen die Polizei dabei laufend mit zahlreichen Hinweisen zur Identifizierung von Tätern, damit diese mit Stadion- und/oder Rayonverboten oder Meldeauflagen belegt werden können. Dieser Weg ist rechtskonform, verhältnismässig und erfolgversprechend. Dies zeigen auch «Best Practices» aus dem Ausland.
Die SFL und die Klubs arbeiten jederzeit konstruktiv und kooperativ mit allen Beteiligten zusammen, um die Sicherheit innerhalb und ausserhalb der Stadien zu gewährleisten. Die langjährige Erfahrung zeigt, dass präventive Massnahmen und der Weg des Dialogs immer zu den besten Resultaten führten. Die Klubs und die SFL sind überzeugt, dass sich der eingeschlagene Weg und insbesondere die lokalen Stadionallianzen am besten geeignet sind, die Herausforderungen in den Griff zu bekommen.


